Der Wind am Hamburger Hafen ist heute so stürmisch wie die Ambitionen von Volkswagen in der Kompaktklasse. Ich sitze im neuen VW ID.Cross, und während draußen die grauen Wellen gegen die Kaimauer schlagen, wird mir drinnen eines schnell klar: Volkswagen hat verstanden, worauf es ankommt. Das „Pure Positive“-Design ist mehr als nur ein Marketing-Slogan – es ist eine Ansage.
Der ID.Cross wirkt auf den ersten Blick wie ein geschrumpftes, aber verdammt athletisches SUV. Mit 4.153 mm Länge ist er zwar etwas größer als sein (beinahe preisgleicher) Verbrenner-Bruder T-Cross , wirkt aber durch das sogenannte „Flying Roof“ und die markant ausgestellten Radläufe deutlich präsenter und moderner.
Erster Eindruck: Ein „echter“ Volkswagen
Beim Einsteigen fühlt sich das Auto sofort wie ein alter Bekannter an. Die horizontale Cockpit-Architektur ist aufgeräumt, logisch und hochwertig. Besonders charmant ist das Detail, das VW als „Secret Sauce“ bezeichnet: Die „Retro-Anzeige“ im Digital-Cockpit, die bei Aktivierung das Design der Instrumente eines frühen Golf der ersten Generation aufgreift – inklusive eines Powermeters statt eines Drehzahlmessers. Das ist genau die Art von Augenzwinkern, die in den letzten Jahren bei vielen Elektroautos gefehlt hat.

Der VW ID.Cross kommt deutlich präsenter daher als der VW ID.Polo und auch der Skoda Epiq. Einen Allradantrieb mag VW dem City-SUV vorerst nicht gönnen -ebenso wenig wie einen größeren Akku für längere Touren. Fotos: Volkswagen.
Platzmäßig ist der im spanischen Pamplona produzierte VW ID. Cross ein kleines Raumwunder. Die MEB+-Plattform spielt hier ihre Vorteile voll aus. Mit 475 Litern Kofferraumvolumen schlägt er sogar den T-Cross um 20 Liter. Und der 22-Liter-Frunk unter der Fronthaube ist ein willkommener Ablageplatz für das Ladekabel.
Das Trio auf der Plattform: ID. Cross, ID. Polo und Skoda Epiq
Der VW ID. Cross teilt sich die MEB+-Plattform mit zwei spannenden Geschwistern: dem neuen ID. Polo und dem kommenden Skoda Epiq, später auch dem geplanten Cupra Raval Gravel. Während der ID. Polo als klassischer Begleiter der neuen Epoche fungiert, positioniert sich der ID. Cross als das SUV-Modell mit „echten Allround-Qualitäten“. Der Skoda Epiq dürfte bei gleicher technischer Basis vermutlich noch stärker auf ein pragmatisches „Simply Clever“-Konzept setzen, während der VW hier mit einer emotionaleren Materialwahl und Details wie dem optionalen Harman Kardon-Soundsystem glänzt.
Licht und Schatten: Die Reichweiten-Frage
Kommen wir zum weniger „positiven“ Teil: der Reichweite. Dass VW bei den Batterien (37 kWh und 52 kWh netto) auf die neue „Konzern-Einheitszelle“ setzt, ist technisch begrüßenswert. Mit bis zu 436 km nach WLTP in der 52-kWh-Variante ist der Cross zwar für den „Urban Jungle“ bestens gerüstet. Aber: Wer regelmäßig längere Strecken zurücklegt, wird sich beim Basismodell mit 37 kWh und prognostizierten 316 km Reichweite schnell nach mehr Speicherkapazität sehnen.

Der Innenraum des ID.Cross ist weitgehend identisch mit dem des VW ID.Polo. Den Unterschied machen allein die Bezugsstoffe.
Ein dickes Lob gibt es hingegen für die Ladeperformance. Eine maximale Ladeleistung von 105 kW klingt erst einmal nach wenig. Aber wenn es maximal 24 Minuten dauert, um den Ladestand von 10 auf 80 Prozent anzuheben, haben die Spezialisten von VW alles richtig gemacht. Auf jeden Fall sind das respektable Werte in diesem Segment, auf dem vor allem ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis zählt. Mit einem Basispreis um die 28.000 Euro liegt der ID.Cross zwar rund 3000 Euro über dem VW ID.Polo. Trotzdem ist auch dieses Modell ein klares Signal, dass Volkswagen trotz aller akuten Probleme entschlossen ist, auf dem Weg der Elektrifizierung weiter voranzuschreiten und das Angebot zu „demokratisieren“, also für Normalverdiener erschwinglich zu machen.
Alles in allem ist der ID. Cross nach dem ersten Eindruck ein sympathischer, klug durchdachter Kompakt-SUV, der viele der alten VW-Tugenden in die E-Welt übersetzt. Er ist kein Langstrecken-Langweiler. Aber als elektrischer Begleiter für das tägliche Leben dürfte er das Zeug zum neuen Erfolgsmodell haben. Wenn er im Herbst 2026 zu den Händlern rollt, dürfte er die Konkurrenz – auch aus dem eigenen Konzern – ordentlich unter Zugzwang setzen.