Der Anlass war der Internationale Umwelttag, der Rahmen ein Gespräch von Fiat-Chef Olivier Francois mit dem Architekten und Städteplaner Stefano Boeri über die Zukunft der Städte. Es ging um den Zustand der Welt und um die von Pflanzen überwucherte Fassade der Ökohäuser „Bosco Verticale“ in Mailand und die Hoffnung, dem Klimawandel noch durch eine drastische Reduzierung der CO2-Emissionen noch Einhalt bieten zu können.

Doch aufgehorcht haben dürften die meisten Zuhörer so richtig erst, als Francois auf die individuelle Mobilität und die Rolle des Straßenverkehrs zu sprechen kam: „Unser gemeinsames Ziel ist es, nachhaltige Mobilität für alle zu schaffen. Und unsere Aufgabe ist es, Elektroautos auf den Markt zu bringen, die nicht teurer sind als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Das muss so schnell wie möglich geschehen, parallel zu den sinkenden Kosten für Batterien.“ Fiat werde dabei mit dem Fiat 500e und weiteren, in der Entwicklung befindlichen Stromern eine Vorreiterrolle übernehmen – mit dem Ergebnis, dass „zwischen 2025 und 2030 die Produktpalette schrittweise rein elektrisch werde.“ Im Klartext: Ab 2030 wird Fiat keine Autos mehr anbieten, die von einem Benziner oder Diesel angetrieben werden. Francois: „Das wird eine radikale Veränderung für unsere Marke sein.“

Die automobile Stilikone geht im Januar unter die Stromer. Sie bekam dafür ein neues Blechkleid, vor allem aber einen kraftvollen Antrieb. Und sie durfte zurück in die Heimat. Elektroauto

Fiat reiht sich damit ein in die Phalanx der Autohersteller, die bereits den Ausstieg aus der Verbrennertechnologie angekündigt haben. Jaguar wird bereits 2025 zur reinen Elektromarke. Volvo, Ford und Cadillac wollen 2030 folgen, die BMW-Tochter Mini im Jahr darauf. Im Volkswagen-Konzern will man sich noch nicht auf ein Jahr festlegen – auch mit Blick auf die Märkte, auf denen der Aufbau einer Ladeinfrastruktur für Elektroautos noch nicht einmal angedacht ist. „Wir sehen in unseren Prognosen, dass in China und in den USA im Jahr 2030 voraussichtlich immer noch rund 50 Prozent aller Neuzulassungen auf Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren entfallen werden“, sagte dieser Tage Audi-Entwicklungsvorstand Oliver Hoffmann. Und weltweit gebe es weltweit noch viele „Verbrenner-Fans und eine große Nachfrage. Deshalb werde man weiter an den Verbrennungsmotoren arbeiten, um die Effizienz und Performance zu verbessern.

Verbrenner-Verbot in Europa scheint vom Tisch

Bei Fiat hingegen fällt es leichter, schon jetzt einen Schlussstrich zu ziehen: Das Unternehmen, das inzwischen mit der PSA-Gruppe und den Marken Chrysler, Opel, Peugeot, Citroen und DS den Stellantis-Konzern bildet, ist stark auf Europa fokussiert. Und hier dürfte es die geplante neue Abgasnorm Euro 7 der Autoindustrie schwer machen, ab 2025 noch Pkws auf den Markt zu verkaufen, die allein von einem Diesel oder Benziner angetrieben werden. Zahlreiche europäische Verkehrsminister sprechen sich deshalb für ein festes Datum für ein Verbot von Verbrennungsmotoren aus – meist wird in dem Zusammenhang das Jahr 2030 genannt.

Im Strategiepapier der EU-Verkehrskommissarin Adina Valean findet sich ein solches Ziel nach dem jüngsten virtuellen Treffen der 27 EU-Verkehrsminister jedoch nicht mehr. Unter anderem die Vertreter Deutschland hatten sich dagegen ausgesprochen – unter anderem mit dem Hinweis, dass Verbrenner mithilfe von synthetischen Kraftstoffen klimaverträglich betrieben werden könnten. Das sei eine Alternative zum Verbot des Verbrennungsmotors, sagte Steffen Bilger (CSU), Staatssekretär beim Bundesverkehrsministerium, nach dem Treffen.

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