Schon seltsam, dass das emotionalste Modell aus der bisherigen Elektro-Familie von Volkswagen nicht aus Wolfsburg oder Zwickau, sondern aus Hannover kommt. Es ist an sich ein Nutzfahrzeug und ein sehr ansehnliches noch dazu. Auf dem vor Jahren tiefgründig konzipierten modularen Elektrobaukasten MEB ist der neue VW ID.Buzz der bisher lässigste Karosseriehut. Er kommt ab Herbst als Normal- und Langversion sowie als Cargovariante für Handwerker und Gewerbetreibenden auf die internationalen Märkte. Wir haben mit der Standardvariante eine erste umfangreiche Runde durch Hamburg gedreht  -und sind schwer angetan. 

Ein Kessel Buntes
Volkswagen hatte den ID.Buzz für die Testfahrt vor der Weltpremiere üppig abgeklebt. Dennoch kann man das Design des Elektrobusses schon sehr gut erkennen.

Der Orkan Zeynep hat die Hansestadt Hamburg ordentlich durchgepustet. Ähnliches versprechen sich die Volkswagen-Verantwortlichen auch vom ID.Buzz – einem coolen Brummer, der eine Alternative zu der unüberschaubar großen Zahl von Crossovern mit Stecker werden soll. Jahrzehntelang hat Volkswagen immer wieder über die moderne Neuauflage des legendären Samba Bus fabuliert. Geschafft hat es keine der Ideen, weil die Plattform ebenso fehlte wie der Hochdruck, ein solches Modell zu kreieren. Schließlich verkauften sich die Modelle T4, T5 oder T6 ebenso bestens wie Kombis und Crossover verschiedenster Größe. Der Wandel zur Elektromobilität macht nun vieles möglich. Auch die vollelektrische Wiedergeburt des ikonischen „Bulli“ aus den 1950er Jahren.

Wendekreis von nur elf Metern

Das Design des Serienmodells mit der charakteristischen Zweifarblackierung ist bei unserer ersten Begegnung in Hamburg noch überklebt. Und auch der Innenraum verhüllt sich hinter schwarzen Tarnmatten. Doch es ist bereits zu erkennen, dass das Design eine der großen Stärken sein wird. Im südlichen Hamburger Hafengebiet geht es im Schatten von Containern und Spundwänden los über zerborstene Fahrbahnen und Kopfsteinpflaster hinaus in die reale Welt einer Großstadt.

Zwei Schiebetüren und eine elektrische Heckklappe
Der ID.Buzz wird in zwei Versionen für unterschiedliche Zielgruppen angeboten. Die eine soll Familien ansprechen, die andere Gewerbetreibende. Für die zweite Zielgruppe gibt es auch eine Version mit 50 kWh-Akku. Flott sind sie beide. Fotos: Volkswagen

Bereits hier kann der 4,71 Meter lange Hecktriebler punkten, denn er ist mit einem Wendekreis von rund elf Metern kompakt zu bewegen, parkt munter aus und fährt komfortabel selbst über Brüche und Schläge im Asphalt hinweg. Der Niedersachsen-Transporter ist aus dem Stand heraus flott unterwegs und engagiert bei der Sache. Keine Überraschung, denn der Elektromotor im Heck leistet 150 kW (204 PS) und ein maximales Drehmoment von 310 Nm. Das 77-kWh-Akkupaket ist wie bei den anderen Modellen der ID-Familie zwischen den Achsen verbaut und soll Reichweiten von 400 Kilometern ohne Nachladung realisieren. 

Allradler mit mehr Leistung kommt später

Bei der einen Antriebsvariante wird es aber nicht bleiben: Für die Cargo-Variante soll es eine kleinere 50-kWh-Batterie geben – Gewerbetreibende müssen schließlich auf jeden Euro schauen. Und später dürften weniger und mehr Leistung ebenso folgen wie eine Allradversion – der MEB, der Modulare Elektro-Baukasten des Volkswagen-Konzerns, macht’s möglich.

Maximal 145 km/h schnell
Mit dem ID.Buzz rast man nicht – man gleitet durch die Landschaft oder durch die Stadt. Immerhin wird der Strom schnell aufgenommen – noch schneller als im ID.3, ID.4 oder ID.5.

Trotz seines stattlichen Gewichts von rund zwei Tonnen zischt der ID.Buzz durch den turbulenten Innenstadtverkehr flott aus der Hafencity Richtung Sankt Pauli. Die Regenbogenlackierung ist auffällig und so klicken bei den Ampelstopps immer wieder Handykameras. Kurze Zwischenspurts zwischen den Kreuzungen sind kein Problem. Und wer das Fahrprogramm wechselt, kann auch in den sogenannten One-Pedal-Modus mit maximaler Verzögerung wechseln, bei dem das Bremspedal links liegen bleibt. Die Motorleistung ist üppig genug – die Höchstgeschwindigkeit mit 145 km/h hingegen leider noch geringer als bei den anderen ID-Modellen. Hier lassen die VW-Ingenieure eine schmerzhafte Lücke, denn für so mache Familie wäre der ID.Buzz eigentlich der ideale Urlaubsbegleiter. Doch auf der Autobahn macht das abgeregelte Maximaltempo nicht viel her.

Ladeleistung von 170 kW

Immerhin lässt sich der ID.Buzz mit bis zu 170 Kilowatt an einer Schnellladesäule nachtanken – beim ID.5 GTX sind es derzeit maximal 150 kW, beim ID.4 vorerst nur 135 kW. Noch wichtiger dürfte für einige Kunden sein, dass die Magnetkarte oder das Smartphone in der Tasche bleiben kann, denn der ID.Buzz arbeitet bereits mit dem sogenannten Plug-and-Charge-Angebot: Sobald der Elektrobully mit der Ladesäule verbunden ist, fließt der Strom. Denn die Bankverbindung ist im Auto hinterlegt.

ID.Buzz auf Probefahrt Gewartet haben wir auf den ID. Buzz, den vollelektrischen Nachfolger des VW Bulli, eine gefühlte Ewigkeit. Aber jetzt geht‘s wirklich los. Hier ein paar neue Details. Elektroauto

Ob der VW ID.Buzz ein Erfolg wird, dürfte sich speziell in Europa mit der Nutzfahrzeugvariante Cargo entscheiden, deren Basispreis bei rund 30.000 Euro liegen dürfte. Diese offeriert eine Ladelänge von 2,21 Metern, kann somit zwei Europaletten schlucken und hat ein Ladevolumen von immerhin vier Kubikmetern.

Schöne Aussichten
Autor Stefan Grundhoff beim Aufbruch zur ersten Probefahrt mit dem noch stark getarnten VW ID.Buzz durch Hamburg.

Die fünfsitzige PKW-Variante zu Preisen ab angeblich rund 40.000 Euro bietet nicht nur eine elektrische Kofferraumklappe und zwei große Schiebetüren, sondern hinter den dem großzügig dimensionierten Fond auch 1.121 Liter Gepäckvolumen. Schön auch: Die Ladekante hat eine Höhe von nur 62 Zentimetern. Die Anhängelast: 1.000 kg. Die Sitze sind vorne wie hinten bequem, das Platzangebot ist klasse. Die Tarnmatten verhüllen nicht nur die aus dem ID.3 bis ID.5 bekannten Displays mit Diagonalen bis zu 12 Zoll, sondern auch die sieben USB-Ports in Cockpit, Mittelkonsole und in den Türen. 

Keine Frage – der VW ID.Buzz wird seine Fans finden. Nicht nur bei den Gewerbetreibenden, sondern auch bei denen, für die der neue, maximal teilelektrische VW T7 bereits zu gestrig ist.

Am 9. März wird der ID.Buzz in Hamburg ungetarnt der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Dann werden wir sicher weitere Details über den Elektrobus erfahren, der nicht nur in Europa von vielen Nostalgikern geradezu sehnsüchtig erwartet wird.

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1 Kommentar

  1. Avatar

    Wenn man diesen Bericht liest, fällt einem wieder auf wie rückständig manche Autofahrer denken. Mittlerweile haben, abgesehen von Deutschland, alle europäischen Länder eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn, die deutlich unterhalb von 145 km/h liegt. Und Ökologie, Ökonomie, weniger Verkehrsunfälle etc. – spielt alles keine Rolle. Hauptsache die Familie kommt 20 Minuten früher an den Urlaubsort.
    Mir scheint es, dass die hier gerügten Ingenieure da schon deutlich mehr Weitblick gezeigt haben.

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