Nein, das Model 3 von Tesla hat Tchibo nicht mehr im Angebot, auch den Fiat 500e kann man seit Beginn des Monats Juli auf der Website des Kaffeerösters nicht mehr bestellen. Statt dessen wird dort inzwischen wieder Bettwäsche in Bio-Qualität angeboten, Bademode und das eine oder andere „kleine Küchenwunder.“

Die Auto-Aktion im April, die das Handelsunternehmen Tchibo in Kooperation mit dem Auto-Abo-Anbieter Like2drive aufgesetzt hatte, um Autofahrern einen „unkomplizierter und risikoloser Einstieg in die Elektromobilität“ zu ermöglichen, war zeitlich begrenzt und letztlich auch nur eine Marketing-Aktion, die tatsächlich auch für dicke Schlagzeilen sorgte. Es platzierte das Auto-Abo als innovative Vertriebsform in der breiten Öffentlichkeit und machte es nicht nur bei Dienstwagen-Berechtigten populär.

Immerhin: „Eine relevante dreistellige Zahl“ von Elektroautos sei über die Aktion in den Verkehr gebracht worden, sagt Alexander Kaiser, der Co-CEO von Fleetpool, der Kölner Muttergesellschaft des Abo-Dienstes Like2Drive, im Gespräch mit EDISON. Sein Unternehmen hatte die Autos organsiert und mit den passenden Versicherungsleistungen und Wartungskosten zu einem „All-Inclusive“-Paket geschnürt, zu monatlichen Kosten von 777 Euro für das Tesla Model 3 Long Range und von 289 Euro für den nagelneuen Fiat 500e in der Ausführung Icon. Kaiser: „Mit dem erzielten Volumen war wir grundsätzlich happy, wobei es nicht nur um Volumen ging, sondern auch um die kommunikative Reichweite für das wichtige Thema E-Auto-Abo – die Brücke zur nachhaltigen E-Mobilität.“

Auto und Autostrom aus einer Hand

Einen ähnlichen Erfolg versprechen sich die Kölner von einer anderen, aber eher langfristig angelegten Kooperation, die kürzlich gestartet ist. Wiederum mit einem Partner, der mit dem Autohandel bislang wenig Anknüpfungspunkte hatte – und Elektroautos lange Zeit eher als Störfaktor betrachtete: Shell. Doch der einstige Mineralkonzern versteht sich inzwischen als Energieunternehmen und Treiber der Energiewende. Mit dem Zukauf von Ladediensten wie NewMotion und Ubitricity, der Übernahme des Batteriespeicher-Herstellers Sonnen aus dem bayerischen Wildpoldsried sowie dem Aufbau von 150 kW-Schnellladesäulen an ausgewählten Tankstellen bereitet sich Shell unter der Submarke Shell Recharge intensiv auf die neue Ära der Mobilität vor.

„Elektroautos müssen nicht teuer sein“
Fleetpool-Co-CEO Alexander Kaiser baut über Kooperationen das Geschäft mit E-Mobilen kräftig aus. Foto: Fleetpool

Seit 10. Juni bietet Shell Recharge – wie schon die Tochter Sonnen mit „sonnenDrive“ – mit Unterstützung von Fleetpool ebenfalls ein Elektro-Auto-Abo mit „Rundumschutz“ an. Mit Vollkaskoversicherung, inklusive Wartung, Zulassungskosten – und einer Ladekarte von Shell Recharge. Zu Preisen zwischen 289 Euro im Monat und 1690 Euro.

Für den kleinen Betrag sitzt man 13 Monate und jährlich 13.000 Kilometer in einem Fiat 500e – für den vierstelligen Betrag bewegt man 24 Monate lang und mit einer Gesamtfahrtleistung von 20.000 Kilometer einen 280 kW (380 PS) starken Porsche Taycan in der Basisausführung. Auch Elektroautos von Peugeot und Opel, Renault und Tesla sowie Mercedes-Benz können abonniert werden. Da ist für jeden Geldbeutel etwas dabei. Kaiser: „Elektroautos müssen nicht per se teuer sein.“

Elektroauto mit sechsmonatiger Probezeit

„Wir wollen Hürden abbauen, unseren Kunden den Übergang in die neue Zeit so einfach wie möglich machen“, erklärt Hauke Schaack von Shell Deutschland die auf den ersten Blick ungewöhnliche Kooperation. Mangele es an Ladesäulen, fänden viele Menschen nicht den Mut, sich ein Elektroauto zuzulegen. Und ohne eine große Flotte von Elektroautos, so das Kalkül. rentierten sich die Investitionen in den Ausbau des Ladenetzes nicht. Solange es nicht genügend Ladesäulen gebe.

Ein E-Auto-Abo sei das perfekte Modell, um unverbindlich in die neue Welt der Elektromobilität hineinzuschnuppern, ohne Kapital zu binden oder sich langfristig auf ein Fahrzeugmodell festzulegen – einige der angebotenen Modelle können bei Nichtgefallen schon nach sechs Monaten zurückgegeben werden. Farbe und Ausstattung sind deshalb auch nicht frei wählbar, sondern von Shell-Partner Fleetpool auch mit Blick auf den späteren Weiterverkauf vorgegeben. Kaiser: „So schaffen wir es, Komplexität herauszunehmen.“

Dass Shell im Auto-Abo ausschließlich Vollstromer und nicht etwa spritschluckende Hochleistungs-Benziner anbietet, die den Kraftstoffabsatz an der Tankstelle treiben könnten, ist laut Schaack kein Zufall, auch keine billige PR: „Wir wollen damit unterstreichen, dass wir es ernst meinen mit der Energiewende.“ Und man wolle all jenen Shell-Kunden, die heute noch Benzin und Diesel tanken, aufzeigen, wohin die Reise gehe.

Auto-Abo als Alternative zu Kauf oder Leasing

Seit vier Wochen ist der Webshop von Shell Recharge inzwischen live geschaltet. Wie Schaack berichtet, werde das Angebot im Markt „sehr positiv wahrgenommen“. Auch habe es für die (berechtigte) Erwartungshaltung gesorgt, dass da in Zukunft noch mehr von Shell Recharge zu erwarten sei. Wie viele Auto-Abos über die Website bereits abgeschlossen wurden, mögen allerdings weder Schaack noch Kaiser sagen: Dafür sei es noch „zu früh“. Die Erwartungen seien „nicht untererfüllt“, aber Zahlen werde man erst nennen, wenn sich diese „stabilisiert haben“: Nach einem „anfänglichen Peak“ hätten sich die Orders über die Internet-Plattform wieder nach unten bewegt. Was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass Shell die Abo-Angebote nicht mit Marketinggeldern subventioniert. Möglicherweise, so Schaack, werde das Unternehmen den Abo-Kunden aber schon in Kürze Vorteile rund um das Thema Laden offerieren können, „die ein normaler Kunde von Shell Recharge derzeit nicht bekommt.“

Rein in den Warenkorb
Über die Website von Shell Recharge kann inzwischen nicht nur Ladestrom bezahlt, sondern auch gleich ein neues Elektroauto abonniert werden. Aktuell können so elf Fahrzeuge geordert werden – vom Fiat 500e bis zum Porsche Taycan. Foto: Shell Recharge

Ja, aller Anfang ist schwer. Aber in dem E-Auto-Abo-Modell sieht Fleetpool-Chef Kaiser prinzipiell noch große Wachstumschancen. Im privaten, wie im gewerblichen Bereich. Das Abo-Modell gebe die Flexibilität, die sich speziell die jüngere Generation wünsche. Fleetpool hat deshalb für einige Unternehmen schon Mobilitäts-Pakete geschnürt, das sowohl die Nutzung von Elektro-Autos wie von E-Bikes und Bahnverbindungen erlaubt.

Autohersteller entdecken einen neuen Absatzkanal

Auch bei den Autoherstellern sei das Interesse an dem Vertriebsmodell Abo deutlich gestiegen – auch weil sie auf diesem Weg “ leichter einen Zugang zu neuen Zielgruppen und auch Firmen-Fuhrparks finden“, wie Kaiser erläutert. Speziell für die neuen Fahrzeuge mit alternativen Antrieben, die gerade auf den Markt gebracht werden. Deshalb bereitet Fleetpool gerade einen neues „Premium-Auto-Abo“ vor. Und derzeit laufen, so deutet er an, mit einem „namhaften Volumenhersteller“ Gespräche über eine Kooperation.

Den Namen des Autoherstellers mochte Kaiser zwar noch nicht nennen. Aber beim Blick über die Automodelle, die über die verschiedenen Plattformen von Fleetpool (eazycars, eazyway, eazyelectric im B2B-Bereich und Like2Drive, Conqar und KintoFlex im B2C-Bereich) angeboten werden, fällt auf: Die Elektroautos aus dem Volkswagen-Konzern sind im Portfolio noch deutlich unterrepräsentiert bzw. noch gar nicht vorhanden.

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