Alltagstaugliche und bezahlbare Elektroautos waren lange rar auf dem Markt – die europäischen Autohersteller boten ihre Stromer zunächst in der margenstarken Ober- und gehobenen Mittelklasse an. Zu knapp sechsstelligen Preisen und mit zum Teil aberwitzigen Antriebsleistungen. Perfekt für Dienstwagen-Fahrer und attraktiv für wohlhabende E-Pioniere, aber nichts für Normalverdiener. Erst jetzt wendet sich das Blatt, kommen reichweitenstarke Elektroautos auf den Markt, die sich Jedermann leisten kann – und das auch ohne staatliche Förderung. Zu Preisen, die mehr oder minder identisch sind mit denen konventionell angetriebenen Pkw ähnlicher Größenordnung. Fahrzeuge für kleine Budgets wie der Citroën ë-C3 (ab 20.140 Euro) und der Hyundai Inster (ab 24.400 Euro), der Renault Twingo (ab 19.900 Euro), der MG 4 Urban (ab 20.580 Euro) und der neue Leapmotor B03X (ab 24.900 Euro), die zumindest in der Basisausführung weniger oder kaum mehr als 25.000 Euro kosten.

Der Škoda Epiq findet sich in jeder Umgebung zurecht. Ein Allradantrieb bleibt dem City-SUV allerdings verwehrt. Foto: Rother
Der Volkswagen-Konzern hielt sich mit Angeboten in dem Preissegment lange zurück – flutet aber nun den Markt mit einer ganzen Produktfamilie. Den Anfang machte im Frühjahr der sportliche Cupra Raval (ab 25.950 Euro). Mit dem VW ID.Polo (ab 24.995 Euro) und dem Škoda Epiq (ab 25.900 Euro) folgen nun die zumindest optisch ein wenig zahmeren Schwestermodelle. Der eine als klassisch gestylter Hatchback, der andere in Gestalt eines kompakten City-SUV – man möchte sich ja nicht gegenseitig die Wurst vom Brot nehmen. Spanier sind sie allesamt: Raval und Polo werden in Martorell bei Barcelona gebaut, der Epiq läuft in Pamplona vom Band. Mit dem ID.Cross gesellt sich dort im kommenden Jahr noch ein weiteres Elektro-SUV hinzu.
Škoda Epiq oder VW ID.Polo?
Woraus die Frage erwächst: Welches Mitglied der sogenannten „European Urban Car Family“ aus dem Volkswagen-Konzern stellt aktuell das beste Angebot dar – unabhängig von Rabatten und anderen Lockvogelangeboten mancher Händler? Die Frage stellten wir uns nach den Testfahrten mit den beiden Modellen in Österreich. Der Škoda Epiq wurde im Bergland von Tirol präsentiert, der ID.Polo in Wien. Schon das zeigt, wo die Vertriebsstrategen der beiden Marken die Einsatzgebiete der beiden Stromer sehen.
Unter dem Blechkleid sind VW ID.Polo und Škoda Epiq enge Verwandte: Sie nutzen dieselbe frontgetriebene MEB+-Architektur, denselben kompakten Elektromotor (APP 290) und (später) die neuen Einheitszellen der konzerneigenen Batterietochter PowerCo. Doch wie die beiden Marken diese Plattform interpretieren, könnte kaum unterschiedlicher sein – und verschiebt die Kräfteverhältnisse im Konzern gewaltig.

Zentrales Steuerelement ist im Epiq ein 13 Zoll großer Touchscreen auf der Mittelkonsole. Das Infotainmentsystem arbeitet auf Android-Basis, reagiert schnell und erlaubt eine intuitive Bedienung. Die erleichtert auch die Tastenreihe darunter. Foto: Rother
Auf dem Papier trennen die beiden Kontrahenten rund zwölf Zentimeter Außenlänge und fünf Zentimeter in der Höhe:
- Der VW ID. Polo bleibt mit rund 4,05 Metern Länge und 1,53 Metern Höhe ein klassischer Schrägheck-Kompakter. Er orientiert sich eng an den Proportionen eines Golf I und früherer Polo-Generationen, bietet mit 441 Litern Kofferraum aber bereits 25 Prozent mehr Ladevolumen als sein Verbrenner-Vorgänger (umgeklappt bis zu 1.240 Liter).
- Der Škoda Epiq misst 4,17 Meter in der Länge und 1,58 Meter in der Höhe bei einem Radstand von 2,60 Metern. Škoda hat die Plattform konsequent in ein modernes City-SUV-Format gegossen und rundet damit das bestehende SUV-Angebot aus Elroq und Enyaq nach unten ab. Später wird hier noch der große Peaq als Krone draufgesetzt.
Dieser Crossover-Zuschnitt bringt im Alltag von Familien entscheidende Vorteile: Die höhere Bodenfreiheit des Škoda Epiq und die aufrechtere Sitzposition erleichtern nicht nur die Übersicht im dichten Stadtverkehr, sondern vor allem das tagtägliche Hineinhieven und Anschnallen von Kleinkindern in ihren Kindersitzen.
Noch deutlicher wird der Unterschied beim Blick ins Heckabteil: Der Epiq stellt mit 475 Litern eines der größten Gepäckabteile dieser Klasse bereit. Hinzu kommt ein praktischer 25-Liter-Frunk unter der vorderen Haube – ideal, um schmutzige oder nasse Ladekabel zu verstauen, ohne den vollgepackten Kofferraum umgraben zu müssen. Beim ID. Polo sucht man ein vorderes Staufach vergebens; Ladekabel und Zubehör müssen stets im Heck untergebracht werden. Für den Urlaub mit Buggy, Koffern und Laufrad ist der Tscheche damit schlicht das erwachsenere Auto.
Gleichstand bei der Technik, Nuancen bei der Reichweite
Beim Antriebsstrang greifen beide Fahrzeuge ins selbe Konzernregal. Die Basisversionen beider Modelle koppeln eine 37-kWh-Batterie (netto) mit robuster, langlebiger LFP-Chemie (Lithium-Eisenphosphat) mit Frontmotoren, die über eine Spitzenleistung von entweder 85 kW (116 PS) oder 99 kW (135 PS) verfügen. Damit lassen sich Reichweiten von 310 bis 330 Kilometern nach der WLTP-Verbrauchsnorm darstellen.

Mit einer Spitzenleistung von 155 kW ist der Škoda Epiq mehr als ordentlich motorisiert. Den Sprint auf Tempo 100 schafft er in 7,1 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist allerdings mit Rücksicht auf den Stromverbrauch auf 160 km/h limitiert. Foto: Škoda
Bei den Topmodellen, beim Epiq „Selection“ genannt, ist eine Batterie mit einer Netto-Kapazität von 52 kWh und einer NMC (Nickel-Mangan-Kobalt)-Zellchemie mit einer 155 kW (211 PS) starken E-Maschine an den Vorderrädern verbandelt. Bis zu 440 Kilometer sollen damit ohne Ladepause darstellbar sein. Und der Wert scheint nach der forschen Testfahrt durchs alpine Bergland auch im Alltag erreichbar zu sein: Der Bordcomputer wies am Ende einen Durchschnittsverbrauch von 14,7 kWh/100 km auf.
Kleiner Effizienzvorteil für den Polo
Einen kleinen Effizienzvorteil verbucht der Volkswagen: Dank seiner flacheren Silhouette und eines cW-Werts von 0,264 kommt der ID. Polo mit großem Akku auf bis zu 454 Kilometer WLTP-Reichweite. Der kantigere Epiq (cW-Wert 0,275) liegt mit 440 Kilometern minimal dahinter – ein kaum spürbarer Aufschlag für deutlich mehr Karosserievolumen.
Beide Modelle beherrschen echtes One-Pedal-Driving bis zum Stillstand im B-Modus. Auch an der Schnellladesäule agieren sie auf Augenhöhe: Von 10 auf 80 Prozent vergehen bei beiden rund 23 bis 24 Minuten (DC-Ladeleistung bis 88 beim Modell mit 38,5 kWh-Akku bzw. 105 kW bei der 52 kWh-Version). Die Konkurrenten von Stellantis, Renault und Kia benötigen für die Übung ein paar Minuten länger. Wechselstrom tanken beide dreiphasig mit 11 kW – das ist inzwischen Industriestandard. Beide Modelle dürfen als 155-kW-Variante zudem bis zu 1.200 Kilogramm an den Haken nehmen und bieten 75 Kilogramm Stützlast – genug für zwei E-Bikes auf der Deichsel.

Der VW ID.Polo teilt die Plattform mit dem Škoda Epiq, setzt aber andere Akzente bei Praktikabilität und Fahrverhalten. Foto: Rother
Hervorzuheben ist bei beiden die bidirektionale Ladefähigkeit: Strom an externe Geräte abzugeben (Vehicle-to-Load / V2L mit bis zu 3,6 kW) beherrschen beide. Škoda betont beim Epiq darüber hinaus die direkte Kompatibilität für Vehicle-to-Home (V2H) und Vehicle-to-Grid (V2G) in Kombination mit zertifizierten Gleichstrom-Wallboxen.
Innenraum: Retro-Charme gegen Familien-Pragmatismus
Im Interieur spalten sich die Philosophien der beiden Marken am deutlichsten. Volkswagen setzt im ID. Polo auf Emotion, Markenerbe und haptische Wiedergutmachung: Nach der Kritik an früheren ID-Modellen gibt es wieder eine eigenständige, physische Tastenleiste für die Klimatisierung und einen echten Lautstärkedrehregler in der Mittelkonsole. Für ein Schmunzeln sorgt die serienmäßige „Retro-Ansicht“, die auf Knopfdruck Tacho und Instrumente eines Golf I der späten 70er Jahre ins Digital Cockpit und den 13-Zoll-Bildschirm zaubert. Dazu gibt es auf Wunsch ergoActive-Massagesitze und ein 425-Watt-Soundsystem von Harman Kardon.

Bis zu 475 Liter fasst der Kofferraum des Škoda Epiq bei voller Bestuhlung, weitere 25 fast der Frunk unter der Vorderhaube. Eine niedrige Ladekante hilft beim Verstauen der Einkäufe oder auch eines Kinderwagens. Fotos: Skoda
Škoda verzichtet auf Nostalgie und liefert stattdessen kompromisslose Alltagstauglichkeit: Das Interieur („Modern Solid“) ist komplett tierfrei gestaltet. Statt empfindlicher Stoffe dominieren strapazierfähiges recyceltes Polyester und die robuste Lederalternative „Techtona“ – ideal für Familien mit kleinen Kindern, bei denen auf der Rückbank auch mal Saft verschüttet wird oder Schokofinger im Spiel sind. Über 28 Liter an zusätzlichen Ablagen, clevere Taschenhaken, Flaschenhalter für 1,5-Liter-Flaschen und die berühmten Simply-Clever-Features wie der integrierte Regenschirm runden das Bild ab.
Das Android-basierte Infotainmentsystem mit 13-Zoll-Monitor punktet zudem mit nativer Google-Places-Integration und KI-Routenplanung. Typisch Skoda: Wer im Epiq übernachten möchte, muss weder frieren noch schwitzen – im Camping-Modus hält die Klimaanlage die Temperatur im Innenraum mehrere Stunden lang angenehm. Auch einen Verkehrsstau macht das erträglicher.
Fazit: Der Epiq schnürt das rundere Paket
Der VW ID. Polo ist ein exzellenter, fahraktiver Kleinwagen geworden, der mit hohem Fahrwerkskomfort, liebevollen Retro-Details und feiner Bedienung die Fehler der frühen ID-Jahre vergessen macht. Für Singles, Paare oder Pendler ist er eine erstklassige, aerodynamisch effiziente Wahl. Geht es jedoch um die harte Realität von Familien mit knappem Budget, sticht der Škoda Epiq seinen Wolfsburger Bruder klar aus:
- Der Raumgewinn: 475 Liter Kofferraum plus 25 Liter Frunk (gegenüber 441 Litern ohne Frunk beim Polo) sind in der 25.000-Euro-Klasse ein Klassenbestwert.
- Die Ergonomie: Das Crossover-Format bietet mehr Kopffreiheit, einen etwas leichteren Einstieg zum Fond.
- Das Preis-Leistungs-Verhältnis: Mit einem Einstiegspreis von 25.900 Euro für die Basisvariante bietet der Epiq exakt die vom Kunden vielfach geforderte Preisparität zum Verbrenner-Pendant Škoda Kamiq (ab 25.980 Euro mit 85 kW starkem Benziner) – liefert dabei aber das Nutzwertniveau eines deutlich teureren Fahrzeugs.
Škoda beweist einmal mehr, dass die Marke das Erbgut des „Volkswagens“ oft besser verinnerlicht hat als die Kernmarke selbst: Der Epiq ist der geräumigere, vielseitigere und schlicht cleverere Allrounder.
Die Antwort hängt natürlich von den individuellen Transportbedürfnissen ab, aber nach Probefahrten mit allen drei Fahrzeugen favorisieren wir den Skoda Epiq. Wer sich selbst ein Urteil bilden will: Am 26. September ist der „Škoda Best Day“, an dem der Handel nicht nur den neuen Epiq, sondern auch den Peaq vorstellen wird – und direkte Vergleiche mit Elroq und Enyaq ermöglicht. Es empfihelt sich die Mitnahme eines Maßbands.